Question: Wie ist der Junggesellenabschied entstanden?

Der Junggesellenabschied kommt ursprünglich aus dem antiken Griechenland und wurde von den Freunden eines Spartaners bei dessen Hochzeit ausgerichtet. Ziel ist, den zukünftigen Brautpaaren noch einmal die Gelegenheit zu geben, ausgelassen zu feiern, ohne an den Partner zu denken….

Wie lange gibt es Junggesellenabschied?

Zeitliche Entwicklung. Feste vor der Hochzeit gab es schon im antiken Griechenland, wo es den Eltern der Braut möglich gemacht wurde, die Würde des zukünftigen Bräutigams zu bewerten. Seit dem 19. Jahrhundert sind im deutschsprachigen Raum Polterabende als allgemeine Feiern am Vorabend der Hochzeit belegt.

Gunther Hirschfelder: Es dreht sich ja um das, was man in der Kulturwissenschaft lange den Übergangsritus genannt hat.

Wie ist der Junggesellenabschied entstanden?

Also: der Abschied von der alten Lebensform und der Eintritt in eine neue Lebensform. Das waren bis in das 20. Jahrhundert hinein sehr stark Polterabend, Verlobung und Hochzeit. Das sind Dinge, die in der vormodernen, der bäuerlichen und bürgerlichen Gesellschaft eine große Rolle gespielt haben.

Wo man gesagt hat, für Eheleute gehen bestimmte Dinge nicht, sonst wird das skandalisiert, christlicherseits und auch kulturell in hohem Maße sanktioniert.

Und der Polterabend hat den Topos des sich Wie ist der Junggesellenabschied entstanden? oder - eine fürchterliche Wendung - des sich die Hörner-Abstoßens.

Gunther Hirschfelder: Es ist eher ein Rechtsstatus. Kirchlich und juristisch - je nachdem aus welchem Kontext man kommt. Auch emotional, spirituell, religiös kann das durchaus eine Bedeutung haben.

Das würde ich aber nicht überbewerten, weil sich alltagskulturell dadurch relativ wenig ändert. Wir haben in der Prüderie unserer Gesellschaft nicht die Situation, dass Leute, die fest liiert sind, eine größere sexuelle Freizügigkeit Wie ist der Junggesellenabschied entstanden?.

Das wird nach wie vor als Vertrauensbruch bewertet. Größere Formen von Polyamorie bleiben eine Nische. Den Wendepunkt hierfür markiert das Aufkommen von Aids Mitte der 80er-Jahre. Da wurden Paarbeziehungen stabiler und verbindlicher - weil sich das gesellschaftliche Klima änderte, aber auch weil häufiger sexueller Partnerwechsel ein Gesundheitsrisiko darstellt.

Gunther Hirschfelder: In einer Phase der großen Mobilität und Digitalisierung von Gesellschaft bietet der Junggesellenabschied die Markierung eines Freundeskreises. Es ist ja schwierig heute bei den ganzen digitalen Freunden - wo man mit Leuten befreundet ist, mit denen man gar nicht befreundet ist - zu sagen: Wer bildet eigentlich den inneren Kern meines Sozialgefüges?

Wie ist der Junggesellenabschied entstanden?

Die Einladung zum Junggesellenabschied kann das dokumentieren, da habe ich eine stärkere Definition von Leuten, mit denen ich etwas erleben möchte und die ich dazu zähle. Gunther Hirschfelder: Der Mensch braucht Markpunkte im Leben, um Zeit erfahrbar zu machen. Der Junggesellenabschied bietet sich hier an, weil andere Termine weggefallen sind. Für den Mehrteil unserer Gesellschaft sindChristi Himmelfahrt oder der Siebenschläfertag keine markanten Punkte mehr, die das Jahr und somit auch das Leben in eine Ordnung bringen; wo man diesem natürlichen Jahresablauf ein kulturelles Ordnungssystem gegenüberstellt.

Wir suchen uns neue Termine wie Halloween oder den Valentinstag.

Junggesellenabschied in Budapest

Der Junggesellenabschied ist an die Stelle von Verlobung und Polterabend getreten. Warum ziehen die Gruppen gerne durch Innenstädte?

Gunther Hirschfelder: Wichtig ist die Visualisierung. Ereignisse werden von Menschen dann als besonders wertig wahrgenommen, bilden eine Vorlage für Narrative und sind memorierwürdig, wenn sie eine kurze Geschichte haben - die nicht so komplex ist wie Pfingsten oder Karfreitag - und wenn sie Bilder produzieren, die ich Wie ist der Junggesellenabschied entstanden?

Wie ist der Junggesellenabschied entstanden?

und archivieren kann. Der Mensch hat das Bedürfnis, sein Leben zu musealisieren. Das bedeutet beim Junggesellenabschied, dass er - indem er bewusst inszeniert wird - Bilder produziert, die die Biografie mitgestalten.

Es geht um die Inszenierung der optischen Eigenheit der eigenen Person. Sie können Junggesellenabschiede schlecht bei einem Waldspaziergang an einem regnerischen Tag in der Provinz des Rheinlandes machen. Oder in einer Gaststätte im Industriegebiet. Ich will diesem Anlass eine Wertigkeit verleihen, indem ich ihn nicht nur vor besonderer Kulisse präsentiere, sondern auch vor historischer. Warum soll sich der Bräutigam dabei lächerlich machen?

Gunther Hirschfelder: Ich würde eher sagen: Er exponiert sich. Ihm ist eine Hauptrolle zugewiesen.

Warum Junggesellenabschiede so gern durch Innenstädte ziehen

Echtes Lächerlichmachen ist das nicht. Die Junggesellenabschiede sind ja auch nach außen hin erkennbar. Das Publikum weiß, was auf es zukommt. Für eine Gesellschaft, die über die Maßen mit sexuellen Bildern aufgeladen ist, finde ich es jetzt nicht schlimm, wenn jemand mit einem Passanten ein Glas Schnaps zu trinken versucht oder jemandem ein Kondom verkaufen möchte.

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